Das Jahr 2015 rast mit Vollgas Richtung Halbzeit. Da musst du immer hell wach bleiben, um alle Turbulenzen dieses Jubiläumsjahres mitzubekommen. Vor 100 Jahren setzten wir erstmals Gift als Waffe ein. Vor 70 Jahren wurden wir vom Krieg befreit und zu Demokraten umerzogen. Vor 40 Jahren haben sich die Amis aus Vietnam zurückgezogen; Millionen von Agent-Orange-Opfer und 80 Millionen Streubomben erinnern an die Heldentaten. Vor 50 Jahren wurde die digitale Revolution los getreten; seit diesem Jahr tragen wir sie als Uhr am Handgelenk. Vor 25 Jahren jagten wir das Hubble-Teleskop ins All. Ein Wissenschaftler jubelte:"Wir haben das Universum zu den Menschen nach Hause gebracht." Nur: wie geht es uns zu Hause? Die Bilder von Hubble wirken wie auf Leinwand gebannte Ästhetik, wie zum Stillstand gekommene Unendlichkeit. Und zu Hause? Tosende Unruhe, in sich rasende Vergänglichkeit. Als ob uns jemand aus der Halterung gerissen hätte. Von wegen Herr im eigenen Haus! Kühlschrank, Thermostat und Fernseher wissen mehr über uns als wir über sie. Der Zeitgeist degradiert uns zu Versuchstierchen. Unser eigener Computer macht sich über uns lustig. Wer gebietet Einhalt? In Colorado wurden erste Ansätze einer Gegenrevolution sichtbar. Dort hat im April ein mutiger Mann seinen Computer erschossen, um - wie einst Djange - die Werte-Hierarchie wieder ins Lot zu bringen. Acht Schüsse aus der Hüfte, alle mitten in die Festplatte. Bevor uns der Fortschritt überrollt, sollten wir ihn erschießen.